Buchvorstellung: "Characters & Viewpoint" (Orson Scott Card)

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Buchvorstellung: "Characters & Viewpoint" (Orson Scott Card)

Beitragvon michel » 07.06.2013, 13:18

Schreibratgeber haben einen schlechten Ruf. "Von der Buchidee zum Bestseller", "Von Null auf Goethe", "In 17 Tagen zum Millionenpublikum" - solche Titel allein sprechen schon für sich, nein: Gegen sich. In manchen Foren outet sich als Anfänger, wer erwähnt, in solchen Büchern gestöbert zu haben. Gut, um Grundlagen kennen zu lernen, aber dann soll man's bitte selbst können und lieber aktiv das Schreiben üben.
Ich bin anderer Meinung. Und "Characters & Viewpoint" von Orson Scott Card (auf englisch) ist eins der Bücher, die mich darin bestärken. Es ist in der Reihe "Elements of Writing Fiction" bei Memory Makers erschienen.
Der Autor hat sich längst einen Namen v.a. in der Science Fiction gemacht ("Ender's Game" finde ich absolut lesenswert) und ist/war u.a. als Dozent für Kreatives Schreiben tätig. Man kann also davon ausgehen, dass er weiß, wovon er schreibt.

Klappentext:
Vivid and memorable characters aren't born: they have to be made This book is a set of tools: literary crowbars, chisels, mallets, pliers and tongs. Use them to pry, chip, yank and sift good characters out of the place where they live in your imagination.


Natürlich bringt auch OSC einen Haufen Grundlagen. Personale vs. Ich-Perspektive, Tempus-Wahl, Perspektive usw. - alles schon mal da gewesen. Aber die Beispiele, die er verwendet (die gleiche Szene immer wieder mit unterschiedlichen Werkzeugen bearbeitet), das Pro und Contra verschiedener Tools und der undogmatische Ansatz lassen viele Möglichkeiten in einem neuen Licht erscheinen. Personale Perspektive - sicher, immer! Aber variiere die Tiefe der Durchdringung, je nach Szenenanforderung. Lebensgeschichte der Figur als Erklärung und Motiv? Gern - aber prüfe, ob es einen Absatz braucht oder nur einen Satz. Wie stelle ich die geeignete Tiefe der Darstellung ein, und was sind typische Fehler?

Ich habe das Buch noch nicht lange genug ausgelesen, um einen Effekt auf mein eigenes Schreiben zu sehen (oder auch nicht). Aber als lebendige Auffrischung alten Wissens und zum Experimentieren mit neuen Werkzeugen ist es prima geeignet.

ISBN: 9781599632124
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Re: Buchvorstellung: "Characters & Viewpoint" (Orson Scott C

Beitragvon Nora » 07.06.2013, 13:29

Hm, ein englischsprachiges Buch hilft mir persönlich leider nicht weiter. Dafür mangelt es mir an Sprachkenntnis. Aber ich habe mir eine deutschsprachige Ausgabe von James N. Frey "Wie man einen verdammt guten Roman schreibt" besorgt.
Kann ich das als Anfängerin gebrauchen oder hätte ich mein Geld besser investieren können?
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Re: Buchvorstellung: "Characters & Viewpoint" (Orson Scott C

Beitragvon michel » 07.06.2013, 14:00

Den kenne ich nicht persönlich - der Titel macht mich allerdings ziemlich misstrauisch.
Angefangen habe ich mit eher allgemeinen Büchern, z.B. "Aufzucht und Pflege eines Romans" von Sol Stein, oder sein "Über das Schreiben". Der ist sowohl Autor als auch Verleger und hat ein paar Schwergewichte betreut.
Inzwischen bin ich dazu übergegangen, eher zu bestimmten Themenbereichen zu suchen: "Plot" aus der gleichen Reihe zum Beispiel. Mir hilft es wesentlich besser weiter, konkret etwas zu einem Thema zu lesen, bei dem ich gerade hänge.
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Re: Buchvorstellung: "Characters & Viewpoint" (Orson Scott C

Beitragvon Nora » 07.06.2013, 14:41

Persönlich habe ich den Mann auch nicht getroffen, lediglich sein Buch in der Buchhandlung. :lol:
Hinten drauf steht, er hat drei Bücher geschrieben und unterrichtet Romanschreiben und Kriminalliteratur an der University of California.
Na ja, und leichtgewichtig ist er, seinem Foto nach zu urteilen, bestimmt nicht. ;)

Wollen wir mal glauben, dass es diese University of California und einen dort tätigen Dozenten namens James N. Frey gibt. Papier ist ja geduldig und schreiben kann man viel, wenn der Tag nur lang genug ist.
Es finden sich so nette Kapitel wie "Worauf alles ankommt ist "Wer"" - über die Figuren; "Die drei wichtigsten Regel für eine spannende Geschichte: Konflikt!Konflikt!Konflikt!" - über das Warum ein gewisses Maß an Haue ;) gut ist; "Die Tyrannei der Prämisse oder: Eine Geschichte ohne eine Prämisse zu schreiben ist, als wolle man ein Boot ohne Riemen rudern" - über die Prämisse :?: und den unbewußten Schriftsteller und dergleichen.
Ich muss mich da erst mal einlesen. Es steht auch auf der Rückseite, dass das Buch für Anfänger bestens geeignet ist, weil es einen "handfesten Crash-Kurs in den grundlegenden Techniken des Geschichtenerzählens" vermittelt.
Denn man tau.
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Re: Buchvorstellung: "Characters & Viewpoint" (Orson Scott C

Beitragvon Dragonfly » 07.06.2013, 17:54

Omg Englisch... Das liegt mir leider auch überhaupt nicht x(
Die Menschen, die die Härte des Lebens erfahren haben, reifen zum Charakter und lernen sich zu beugen, ohne ihren Stolz zu verlieren.
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Re: Buchvorstellung: "Characters & Viewpoint" (Orson Scott C

Beitragvon Wüstenwanderin » 07.06.2013, 18:37

@ nora:
James N. Frey gibt es wirklich und er ist auch gut. Aber halt amerikanisch, wenn man es mag. So wie ich. :D
Sehr empfehlenswert ist "Kreativ schreiben" von Fritz Gesing. Damit hab ich viel gearbeitet anfänglich.
Und auch sehr hilfreich ist das Magazin Textart. Da findet man u.a. auch immer wieder Tipps von besagtem James N. Frey. http://www.textartmagazin.de/

Mein persönliches Fazit nach einem Jahrzehnt im Literatur-Dschungel: Es gibt sie, die guten Ratgeber, man muss eben individuell schauen, was hilft mir am meisten, so wie michel das ja auch schrieb.

LG Anette
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Re: Buchvorstellung: "Characters & Viewpoint" (Orson Scott C

Beitragvon b.c.bolt » 08.06.2013, 22:32

Frey kann guten pep-talk liefern - ich habe all seine Bücher, aber sie werden nach hinten nicht besser. Orson Card ist eine ganz andere Liga - ein großer Autor mit großartigen Tipps - siehe auch: Writing Sf and fantasy. Und wer Deutsch haben möchte, ist mit dem Schreib-Buch von Stephen King gut bedient.
Ratgeber sind natürlich immer gefährlich - man könnte ins Schablonenhafte verfallen - aber sie liefern bei weiser Anwendung viel Gutes.
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Re: Buchvorstellung: "Characters & Viewpoint" (Orson Scott C

Beitragvon Angela Dragon » 09.06.2013, 13:13

Leider ist Englisch auch nicht gerade mein Fall. Frey steht auch in meinen Regal und ich hab bisher die ersten beiden genauer durchgelesen. Bisher handhabe ich es so, dass ich mir die Tipps raushole, die mir wirklich weiterhelfen, wenn ich mir unsicher bin oder nicht weiter weiß.
Wenn die Dunkelheit an die Tore der Welt klopft, wird es Zeit wieder zu dem zu werden, was du einst warst.
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Re: Buchvorstellung: "Characters & Viewpoint" (Orson Scott C

Beitragvon Nora » 09.06.2013, 19:01

Ich habe nach der Lektüre der ersten Kapitel/Unterkapitel festgestellt, dass der gewichtige Mann ziemlich unklar bleibt. Er schreibt im Figurenabteil, dass sie eindimensional oder mehrdimensional sein können, aber fassbare Beispiele liefert er nicht. :? Oder aber, ich bin zu doof, die Beispiele zu erkennen.
Na ja. Ich werde mal weiterlesen und sehen ob und was mir das Buch bringt.
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Re: Buchvorstellung: "Characters & Viewpoint" (Orson Scott C

Beitragvon michel » 10.06.2013, 07:57

Du bist jetzt bei Frey, oder?
Card seziert so etwas ziemlich gründlich: Was macht einen sympathischen Helden aus? Wie kann ich einen unsympathischen kreieren? Und wie stelle ich das erzählerisch dar? Das Ganze anhand von Gedankenbeispielen, Szenen-Skizzen usw - finde ich ausgesprochen brauchbar. Und das Englisch ist, finde ich, überschaubar schwer.
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